"Ich habe seit meiner Kindheit O-Beine. Kann man daran als Erwachsener überhaupt noch etwas ändern?" Diese Frage erreicht uns in vielen Varianten. Oft hieß es in der Kindheit, das wachse sich aus. Andere Patientinnen und Patienten schreiben uns, weil das Knie an der Innenseite nach längerem Gehen schmerzt, und fragen sich, ob das mit der Beinform zusammenhängt.
In diesem Beitrag erklären wir, warum O-Beine bei Erwachsenen nicht von selbst verschwinden, was sie für das Knie bedeuten und wie die Fehlstellung gemessen wird. Außerdem geht es darum, was Training und Physiotherapie leisten können, wann eine Operation infrage kommt und wie das Gehen in den Monaten nach einer Osteotomie wieder in Gang kommt.
Bei O-Beinen (Genu varum) krümmen sich die Beine auf Kniehöhe nach außen: Stehen die Knöchel zusammen, bleibt zwischen den Knien ein Abstand. Bei X-Beinen (Genu valgum) ist es umgekehrt, die Knie berühren sich und die Knöchel stehen auseinander. Dieser Beitrag behandelt O-Beine.
Bei Kleinkindern sind leichte O-Beine eine normale Entwicklungsphase und gleichen sich mit dem Wachstum meist aus. Bei Erwachsenen ist das Knochenwachstum abgeschlossen. Die Beinform, die Sie heute haben, verändert sich von selbst nicht mehr.
Bei den meisten Erwachsenen liegt die Krümmung an der Form des Schienbeins (Tibia), manchmal ist auch der Oberschenkelknochen (Femur) beteiligt. Typische Ursachen sind:
Der Zusammenhang kann auch umgekehrt verlaufen. Wenn der Knorpel an der Innenseite des Knies verschleißt, kippt das Gelenk weiter in die O-Stellung, sodass eine leichte Krümmung im Alter langsam zunehmen kann. O-Beine, die innerhalb kurzer Zeit entstehen oder deutlich zunehmen oder nur ein Bein betreffen, sollten ärztlich abgeklärt werden.
Bei einem geraden Bein verläuft das Körpergewicht ungefähr durch die Mitte des Knies. Bei O-Beinen verschiebt sich diese Linie nach innen, und die Innenseite des Gelenks trägt bei jedem Schritt mehr Last. Über Jahre kann das zu Schmerzen an der Knieinnenseite und zu frühzeitigem Knorpelverschleiß führen.
Viele Menschen mit O-Beinen haben nie Kniebeschwerden. Beginnen die Schmerzen aber, gehört die Beinachse zu den ersten Dingen, die ein Chirurg prüft.
Die Untersuchung beginnt im Stehen. Die Ärztin oder der Arzt misst den Abstand zwischen den Knien bei geschlossenen Knöcheln und beobachtet Ihr Gangbild. Danach wird das Knie selbst untersucht: wo es schmerzt, wie weit es sich beugen und strecken lässt und ob die Bänder stabil sind. Auch die Beinlänge wird geprüft.
Die wichtigste Grundlage ist eine Röntgenaufnahme beider Beine im Stehen, von der Hüfte bis zum Sprunggelenk. Nur im Stehen zeigt das Bild die Beine unter Körpergewicht. Darauf zeichnet der Chirurg die Linie ein, entlang der das Gewicht von der Hüfte zum Sprunggelenk verläuft, und misst die Winkel von Oberschenkel und Schienbein. So lässt sich bestimmen, woher die Krümmung stammt, um wie viel Grad korrigiert werden muss und an welchem Knochen.
Bei Knieschmerzen kann zusätzlich ein MRT sinnvoll sein, wenn ein Knorpel- oder Meniskusschaden vermutet wird. Vorhandene Röntgenbilder können Sie für eine erste Einschätzung von zu Hause schicken. Zeigen sie nicht das ganze Bein, wird in der Regel eine neue Aufnahme angefordert.
Viele hoffen, dass Übungen, eine Orthese oder eine Nachtschiene die Beine begradigen. Bei Erwachsenen verändern sie die Form des Knochens nicht. Dehnvideos, die gerade Beine versprechen, kräftigen allenfalls die Muskeln um einen Knochen, der genau so bleibt, wie er ist.
Bei Knieschmerzen sind konservative Maßnahmen trotzdem oft der erste Schritt, und manchen Patientinnen und Patienten reichen sie:
Diese Maßnahmen helfen Muskeln und Beschwerden, verschieben die Belastungslinie aber nicht zurück in die Mitte des Knies. Kommen die Schmerzen trotz eines konsequenten Programms immer wieder oder zeigt das Röntgenbild Verschleiß an der Innenseite, wird die Korrektur der Beinachse zum Thema.
Die O-Bein-Korrektur ist eine Knochenoperation. Bei der Osteotomie durchtrennt der Chirurg den Knochen kontrolliert, richtet ihn im geplanten Winkel neu aus und fixiert ihn. Das Bein wird gerader, und das Gewicht verteilt sich gleichmäßiger über das Knie. Infrage kommt der Eingriff, wenn:
Eine feste Altersobergrenze gibt es nicht; der Zustand des Knies und Ihre allgemeine Gesundheit zählen mehr als das Alter. Rauchen verlangsamt die Knochenheilung und verlängert damit die Zeit an Gehstützen.
Liegt die Krümmung vor allem im oberen Schienbein, wird knapp unterhalb des Knies ein Keil geöffnet oder geschlossen (hohe tibiale Umstellungsosteotomie). In anderen Fällen wird der Knochen in einer Operation durchtrennt, begradigt und mit Platten und Schrauben im Bein gehalten. Bei komplexen Fehlstellungen, größeren Korrekturen oder einer Beinlängendifferenz kommt ein Fixateur externe wie ein Ilizarov- oder Hexapod-Rahmen infrage, der über mehrere Wochen täglich etwas nachjustiert wird. Das bedeutet einen deutlich längeren Aufenthalt. Beide Beine werden manchmal in einer Operation korrigiert, häufig aber in zwei Schritten im Abstand von einigen Monaten, damit Sie immer ein Bein zum Stehen haben.
Wenn es Ihnen vor allem um das Aussehen geht, sollten Sie das sorgfältig abwägen. Es handelt sich um einen Eingriff am Knochen mit mehreren Monaten Genesung und echten Risiken, darunter Infektionen, verzögerte Knochenheilung, ein Bein, das etwas mehr oder weniger gerade wird als geplant, und selten eine Verletzung des Nervs, der nahe am oberen Schienbein verläuft. Ihr Chirurg bespricht Ihre persönlichen Risiken vorab mit Ihnen.
Ab den ersten Tagen gehen Sie an Unterarmgehstützen. Der Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel zwei bis drei Nächte; den Rest der ersten zwei Wochen verbringen Sie mit täglichem Gehen, Wundkontrollen und Physiotherapie. Vor dem Rückflug zeigt eine Röntgenaufnahme, ob der Knochen wie geplant steht.
| Zeitraum | Was in der Regel passiert |
|---|---|
| Woche 1-2 | Gehen an Unterarmgehstützen, begrenzte Belastung des operierten Beins, Wundkontrollen, erste Physiotherapie |
| Woche 3-6 | Schrittweise mehr Belastung, regelmäßige Physiotherapie |
| Etwa ab Woche 6 | Viele beginnen, ohne Gehstützen zu gehen, abhängig von Methode und Knochenheilung |
| Nach etwa 3 Monaten | Der Knochen ist meist verheilt, die meisten Alltagsaktivitäten sind wieder möglich |
| 3 bis 6 Monate | Schrittweise Rückkehr zum Sport nach Rücksprache mit dem Chirurgen |
Das sind allgemeine Richtwerte; Ihren persönlichen Plan legt Ihr Arzt nach Methode und Kontrollaufnahmen fest.
Eine Knochenoperation am Bein und ein langer Flug erhöhen beide das Risiko von Blutgerinnseln. Deshalb gehören gerinnungshemmende Medikamente nach Verordnung, Kompressionsstrümpfe, frühes Gehen und nach Möglichkeit ein Gangplatz zu Ihrem Plan. Ihr Chirurg gibt Sie erst für den Flug frei, wenn es sicher ist; wie diese Entscheidung zustande kommt, lesen Sie in unserem Beitrag Wann darf man nach einer Operation fliegen? Schwillt eine Wade schmerzhaft an oder bekommen Sie plötzlich Atemnot, suchen Sie sofort die nächste Notaufnahme auf.
Der größte Teil der Genesung findet zu Hause statt. Organisieren Sie deshalb vor der Reise eine Physiotherapie und die Möglichkeit, Röntgenkontrollen machen zu lassen. Platten und Schrauben können meist im Bein bleiben, werden aber manchmal später entfernt.
Bei Medicape führt Prof. Dr. Cengiz Eser die O-Bein-Korrektur durch. Er prüft Ihre Ganzbeinaufnahmen in einer Online-Beratung, bevor etwas gebucht wird, und erklärt, welche Methode er empfiehlt. Operiert wird in unserem Vertragskrankenhaus, dem Privatkrankenhaus Medline Adana. Der Standardplan umfasst etwa 14 Tage in Adana; die einzelnen Tage finden Sie auf der Seite zur Behandlung von O-Beinen. Bei der praktischen Seite hilft unser Beitrag zur Planung einer medizinischen Reise in die Türkei; eine Begleitperson empfehlen wir sehr.
Nach Ihrer Rückkehr schicken Sie zu vereinbarten Zeitpunkten Kontrollaufnahmen, die Prof. Dr. Eser online auswertet. Wie diese Fernbetreuung funktioniert, beschreibt unser Beitrag zur Nachsorge nach der Behandlung.
Nein. Nach Abschluss des Wachstums können Training, Orthesen oder Physiotherapie die Knochenform nicht verändern. Sie können bei Knieschmerzen helfen, die Beinachse selbst lässt sich aber nur operativ korrigieren.
Bei O-Beinen stehen die Knie auseinander, wenn sich die Knöchel berühren, und die Innenseite des Knies wird stärker belastet. Bei X-Beinen berühren sich die Knie, während die Knöchel auseinanderstehen, und die Außenseite trägt mehr Last.
Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Das Knochenwachstum muss abgeschlossen sein, meist ab dem späten Teenageralter. Danach zählen Kniegesundheit und allgemeiner Gesundheitszustand mehr als das Alter.
An Gehstützen gehen Sie ab den ersten Tagen. Viele kommen etwa ab der sechsten Woche ohne Gehstützen aus und sind nach rund drei Monaten bei den meisten Alltagsaktivitäten zurück.